




Die Formsprache Henry Moores (1898–1986) markiert in der europäischen Moderne der Nachkriegszeit einen Aufbruch. Zwischen Figuration und Abstraktion, organischer Form und konstruktiver Struktur entwickelte er eine neue Vorstellung davon, wie Skulptur Raum erfassen und verändern kann.
In den 1950er Jahren wird der Bronzeguss zu Moores zentralem Medium. Für die Umsetzung seiner Werke arbeitet er mit verschiedenen Gießereien zusammen, doch nicht immer entsprechen die Ergebnisse seinen hohen Ansprüchen. Auf Empfehlung von Elfriede Fischer, gebürtig aus Berlin und verheiratet mit seinem Galeristen Henri Fischer, führt ihn sein Weg zur Bildgießerei Hermann Noack. Dort begegnen sich Moore und Hermann Noack erstmals. Aus der Zusammenarbeit entsteht eine jahrzehntelange Verbindung, die weit über das Verhältnis zwischen Künstler und Gießer hinausreicht und von gegenseitigem Vertrauen und Freundschaft geprägt ist.
Die Ausstellung stellt Henry Moores Werk in den Kontext einer europäischen Nachkriegsavantgarde, die nach neuen Ausdrucksformen für die Skulptur sucht. Werke von Kenneth Armitage, Lynn Chadwick, Bernhard Heiliger, Edward Kienholz, Joseph Henry Lonas, Heinz Mack, Eduardo Paolozzi treten in einen Dialog mit Moores Skulpturen und machen verschiedene künstlerische Positionen dieser Generation sichtbar.
Gemeinsam eröffnen die Werke ein Panorama der europäischen Skulptur zwischen organischer Körperlichkeit und geometrischer Konstruktion, zwischen Verdichtung und Öffnung, Masse und Leere. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich Form und Raum nach 1945 neu denken lassen – und welche visionären Möglichkeiten die Skulptur für die Kunst der Moderne eröffnet.